Wo Träume in Erfüllung gehen – Fanfarenzug tourte durch Brasilien (2015)

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Nach zweijähriger Vorbereitungszeit starteten Ende Oktober 2015 44 Musikanten zur sechsten Weltreise des Fanfarenzuges Zell 1959 e. V. nach Brasilien, organisiert von Schwaben International. Nach rund 30-stündiger Reisezeit via Frankfurt und São Paulo traf die Gruppe in Foz do Iguaçu, dem Ausgangspunkt der Tournee ein. Bernd Leimgruber berichtet von den Erlebnisse der Reisegruppe.

Die weltberühmten Iguaçu Wasserfälle

Gleich am nächsten Tag ging es zu den imposanten Wasserfällen von Iguaçu. Auf etwa drei Kilometern stürzen sich die Wassermassen in rund 280 einzelnen Wasserfällen zu Tale. Ein gigantisches Bild. Die Luft war voll von Gischt, sodass die extra gekauften Ganzkörperkondome auf den Laufstegen über den Fällen auch nicht viel nutzten. Der Rio Iguaçu bildet die Grenze zwischen Brasilien und Argentinien. Von der brasilianischen Seite aus hat man einen herrlichen Panoramablick auf das gewaltige Naturschauspiel. Anschließend fuhren wir zu dem gewaltigen Itaipu Staudamm. Dieser wurde in den 70er-Jahren von Brasilien und Paraguay gebaut. Während der Fahrt über die riesige Staumauer überquerten wir auch die Grenze nach Paraguay. Heute werden hier zirka 15 Prozent des brasilianischen und 80 Prozent des paraguayischen Stroms erzeugt.

Einen Tag später besuchten wir die Wasserfälle auf der argentinischen Seite, wo wir kilometerweit über Stege die einzelnen Wasserkaskaden bewanderten. Außer einer atemraubenden Bootsfahrt stand noch unser erster Auftritt in Argentinien auf dem Programm. An den Abenden entspannten wir am Swimmingpool und genossen das leckere brasilianische Essen am Spieß.

Jeder Ort hatte seinen Charme

Nach den ersten Tagen der Eingewöhnung begann unsere Tournee durch das südliche Brasilien. Insgesamt vier Auftritte in Porto União, Lages, São Joaquim und Canoinhas standen auf dem Programm. Hierfür mussten wir mit zwei großen, bequemen Bussen rund 1.500 Kilometer durch verschiedene Bundesstaaten reisen. Die wurden auch benötigt, um das ganze Gepäck zu transportieren. Bis in die letzte Ecke waren unsere Koffer, Instrumente, Uniformen und Gastgeschenke verteilt.

Zwei Mal spielten wir das Programm gemeinsam mit der örtlichen Jugendkapelle. Die beiden anderen Auftritte konnten wir selbst gestalten. Hierfür hatten wir uns einiges einfallen lassen. Alle 44 Mitreisenden wirkten bei den Auftritten mit. Dabei war eine Gruppe mit Zeller Fasnachtskostümen und den dazugehörenden Masken. Alt-FGZ-Präsident Helmut Mond und seine Frau Ruth präsentierten sich in der Zeller Tracht und aus Basel war die Dudelsackspielerin Christine Keller mit an Bord. Zudem hatten wir unsere Mülleimer Percussion Gruppe neu aufgestellt und unsere Mädels führten den Cup-Song auf.

An jedem Auftrittsort wurde ein Trikot der Deutschen Fußball Nationalmannschaft bzw. ein WM-Ball 2014, jeweils versehen mit der Originalunterschrift von Bundestrainer Joachim Löw, verschenkt. Beim Thema Fußball waren die brasilianischen Zuhörer zuerst meist skeptisch eingestellt. Trotzdem fanden die vom DFB zur Verfügung gestellten Autogrammkarten der deutschen Nationalspieler reißenden Absatz unter den Jugendlichen.

Deutschstämmige Zuhörerschaft

Unter dem Publikum waren viele Deutschstämmige, die in dritter, vierter oder sogar fünfter Generation hier leben und die immer wieder das Gespräch mit uns suchten. Die Brasilianer sind durch und durch nette, zuvorkommende Menschen. Selbst die drei Besuche beim Arzt und im Krankenhaus waren geprägt von einem freundlichen Miteinander. Noch bevor der Arzt die Spritze auspackte, zeigte er erst noch seine Urlaubsfotos vom Schwarzwald und den Triberger Wasserfällen. Aber auch die Kultur sollte nicht zu kurz kommen. Wir besichtigten neben der zweitgrößten brasilianischen Estátua de Jesus in Porto União auch eine über hundert Jahre alte Deutsche Brauerei, eine Schnapsbrennerei sowie eine Matetee Fabrik.

Rio de Janeiro: Visionen und Träume gehen in Erfüllung

Zum Abschluss unserer Reise flogen wir von Curitiba nach Rio de Janeiro. Eine Metropole, in der Träume in Erfüllung gehen. Beim Empfang nach der ersten Reise zur Steubenparade in New York im Jahr 1975 hatte Hans Fräulin dem damaligen Fanfarenzugmacher Herbert Kummle die Frage gestellt: „Wohin geht die nächste Reise?“ Dieser antwortete spontan: „Nach Rio.“ Und der Traum des damaligen Vorsitzenden Bernd Leimgruber, zum 50-jährigen Vereinsjubiläum in der Südsee unter Palmen zu sein, ging zumindest in Teilen in Erfüllung. Das Foto am Strand der Copacabana unter Palmen liefert den Beweis.

Der erste Nachmittag in Rio stand zur freien Verfügung, ob am Swimmingpool auf dem Dach des Hotels, beim Eintauchen in die Wellen an der berühmten Copacabana oder bei der Besichtigung des Maracana Stadions. Am nächsten Morgen erklommen wir per Zahnradbahn den 709 Meter hohen Corcovado oder „Buckelberg“. Der 38 Meter hohe „Erlöser“ zeigte sich jedoch nur im dichten Nebel, sodass das geplante Gruppenfoto zur Enttäuschung aller ins Wasser fiel. Auf der Rückfahrt entschlossen wir uns dann, das Foto an der Copacabana unter Palmen nachzuholen. Nach einem Bad unter dem Zuckerhut wurde der letzte Abend eingeläutet, der bis tief in die Morgenstunden dauern sollte.

Mit der Gondelbahn auf den Zuckerhut

Am letzten Tag stand der Besuch des Zuckerhutes auf dem Programm. Mit zwei Gondelbahnen, man fühlte sich an James Bond und seinen Kampf mit dem „Beißer“ erinnert, ging es in die Höhe. Wir genossen den einmaligen Blick auf Rio de Janeiro und die Copacabana. Unsere Bitten wurden erhört und die Christusstatue zeigte sich gegenüber auf dem Corcovado in einem nebelfreien Fenster und machte so seinem Namen als „Erlöser“ alle Ehre. Nach einem kurzen Abstecher in die Altstadt Rios hieß es dann Abschied nehmen und nach 30 Stunden Reise standen wir wieder am Zeller Bahnhof, im Gepäck viele schöne Erinnerungen und spannende Erlebnisse