Polen – zwölftägige Rundreise durch das Nachbarland (2015)

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Polen glänzt mit schönen Städten, unverfälschter Natur und herzlicher Gastfreundschaft – Bei der zwölftägigen Rundreise durch das Nachbarland gehen so manche Vorurteile über Bord. Eine Reisegruppe mit fast 30 Personen aus ganz Deutschland traf sich am 23. Juni 2015 am Flughafen von Kraków. Die Freude war groß, den einen oder anderen von früheren Reisen wieder zu treffen. Unser fröhlicher Reiseleiter Maco und sein Busfahrer Flodek erwarteten uns bereits. Trotz Rush-Hour erreichten wir binnen kurzer Zeit unser zentral gelegenes Hotel Matejko. Barbara Rükgauer von Schwaben International berichtet nachfolgend von den vielen Eindrücken und Erlebnissen der Reisegruppe.

Was einem in Polen sofort auffällt: alles ist picobello sauber! Man findet so gut wie keine Zigarettenkippe auf dem Boden. Auffallend ist auch, dass es hier noch an fast jeder Ecke einen kleinen „Tante-Emma- Laden“ gibt. Hier bekommt man so ziemlich alles, was man benötigt oder auch nicht. Auf einem Spaziergang lernten wir am nächsten Tag die schöne Stadt Krakau (Krakow), das „polnische Florenz“, kennen. Der herrliche Marktplatz wird von den Tuchhallen und der interessanten Marienkirche beherrscht, in der der größte Altar des Nürnberger Bildhauers Veit Stos steht. Unübersehbar thront über der Stadt das Wawelschloss mit seinen Kunstschätzen und den Grabmälern einstiger Herrscher. In Kazimierz, dem Judenviertel Krakaus, wurde der bekannte Film „Schindlers Liste“ gedreht. Am Abend aßen wir in einem rustikalen Restaurant die typische polnische Spezialität Piroggen, vergleichbar mit unseren Maultaschen. Tags darauf besuchten wir das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Der Name ist Symbol geworden für die bis heute unfassbare fabrikmäßige Ermordung von Menschen durch die Nazis. Nur wenige Inhaftierte haben überlebt. Unsere Reiseleitung hat uns diese schlimme Zeit mit sehr viel Feingefühl noch einmal vor Augen geführt, sodass man sich gut vorstellen konnte, was sich in Auschwitz Entsetzliches abgespielt hat.

Kleine Zwerge erobern Breslau
Nächstes Reiseziel war Breslau (Wrocław), das zu den ältesten und schönsten Städten in Polen zahlt. Das „Venedig Polens“ liegt einzigartig auf zwölf Inseln der Oder, am Fuße des Sudetengebirges. Auf einem Stadtrundgang erlebten wir den Marktplatz mit seinen bunten Häusern, die Universität, die Dominsel mit der imposanten Kathedrale und die für Breslau typischen Zwerge. Diese klettern Laternenpfahle empor, sitzen auf Fensterbanken, hängen an Hauswänden, drohen in die Oder zu fallen oder lümmeln sich auf Platzen herum. Sie sind etwa 30 Zentimeter groß und aus Bronze gegossen. Im Sommer 2001 tauchten die ersten Klein-Wrocławer als verrücktes Projekt einiger Absolventen der Hochschule der Schönen Künste auf. Symbolisch gesehen waren sie Teil der Freiheitsbewegung gegen die kommunistische Zwangsherrschaft.
Weiter ging es über den Wallfahrtsort Trebnitz nach Posen (Poznan), das buchstäblich ins Wasser fiel. Es goss in Strömen. Trotzdem bewunderten wir die schöne Altstadt mit ihren sehenswerten, bunten Häuserfassaden. Auch in Thorn (Torun), das wir am nächsten Tag besichtigten, war uns der Himmel zunächst nicht gewogen. Nachdem sich jedoch manch einer von uns einen Schirm gekauft hatte, blinzelte die Sonne wieder auf die Geburtsstadt des berühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus nieder.

Danzigs hanseatisches Flair
Danzig (Gdansk) muss man gesehen haben. Da waren sich alle einig. Jeder war begeistert von der schönen Hansestadt. Erstmals 997 erwähnt, bildet es mit Zoppot und Gdingen die gemeinsame Dreistadt. Der Großteil der Attraktionen lässt sich gut zu Fuß erkunden. Eng beieinander befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie das Goldene Haus, der Artushof, das Krantor, der Neptunbrunnen, die Marienkirche und das Goldene Tor. Von Danzig aus machten wir einen Abstecher nach Zoppot, der wohl beliebteste polnische Kur- und Ostseebadeort mit seinem schönen, langen Sandstrand. Die Mole ist die Hauptattraktion unter den Sehenswürdigkeiten. Auf dem Ruckweg nach Danzig erwartete uns im Dom von Oliva ein herrliches Orgelkonzert.

Masurische Seenplatte
Auf dem Weg dorthin machten wir einen Fotostopp bei der trotzigen Marienburg (Malbork). Stolz am Ufer der Nogat erhebt sich die gewaltige Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert, eines der wertvollsten europäischen Baudenkmaler des Mittelalters. Nach dem Besuch der Wolfschanze, Hitlers Hauptquartier wahrend des Zweiten Weltkrieges, erreichten wir unser Hotel Masuria in einer idyllischen Waldlandschaft, direkt am See. Ein Ort, an dem sich „Fuchs und Hase gute Nacht sagen“. Absolute Ruhe, nur Vogelgezwitscher und Froschgequake. Dann erlebten wir die faszinierenden Masuren: ein See reiht sich an den anderen, unberührte Naturlandschaft und jede Menge Storchennester wechseln sich ab.
Von Nikolaien, dem beliebtesten Ferienort, ging es mit der „Weisen Flotte“ auf den Spirdingsee, dem mit 120 km2 größten See der Masuren. Am Nachmittag stand eine romantische „Stakenbootsfahrt” (Stocherkahnfahrt) auf dem Flüsschen Kruttinna auf dem Programm. Ein unvergessliches Erlebnis: glasklares Wasser mit grünen Algen und bunten Kieselsteinen und dazu ein strahlend blauer Himmel.

Warschau – Architektonisches Experimentierfeld
Am liebsten hätten wir in den Masuren noch eine Woche dran gehängt, aber jetzt stand Warschau (Warszawa) auf dem Programm. Die ewigen Rivalen, die Hauptstadt Warschau und die heimliche Hauptstadt Krakau, machen sich nach wie vor den ersten Rang als Reiseziel streitig. Unsere örtliche Reiseleiterin zeigte uns stolz die Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstadt. Vor allem der Łazienki Park mit dem Chopin Denkmal und die im Krieg völlig zerstörte und heute wieder restaurierte Altstadt haben uns sehr gut gefallen. Warschau
ist mittlerweile ein Experimentierfeld für die renommiertesten Architekten der Welt, darunter Daniel Libeskind, der den Freedom Tower auf Ground Zero baute. Bei einem deftigen Abendessen in einem Altstadtrestaurant lies einer unserer Teilnehmer die Reise Revue passieren und meinte, dass sie zu den schönsten Touren gehöre, die er je mit uns gemacht habe. Und das waren schon einige. Dachte man bei Polen vielleicht an Bauern, den Papst, Autodiebe oder Plattenbau, dann sollte man seine Meinung ganz schnell revidieren. Polen ist ein Land, das eine rasante Entwicklung hinter sich hat und zu einer selbstbewussten Nation herangewachsen ist. Jeder von uns genoss die einmalig schönen Städte und paradiesischen Naturlandschaften, die schmackhafte polnische Küche und vor allem die polnische Gastfreundschaft.
Fotos: Margarete Rükgauer-Flusche