Faszinierendes Chile – Land zwischen Wüste und Eis (2016)

Eingetragen bei: Reisebericht, Südamerika | 0

Eine 15-tägige Erlebnisreise durch Chile wie ein großartiger Kinofilm

Film ab! – Für neun Schwaben begann in Frankfurt an einem regnerischen Samstagabend im Oktober 2016 ein Erlebniskino vom feinsten. Regie dieses zauberhaften Filmes führte das Team von Schwaben International und Gero Michael Meyer, einer der Protagonisten, führt Sie durch ein faszinierendes Land am anderen Ende der Welt.

Die aufgehende Sonne über Argentinien lässt den schläfrigen Fluggast einen Blick auf die tiefe Weite werfen. Mit einem Ruck ist die Faszination da: anderthalb Stunden quert der Flieger die schier unüberwindlichen Anden, um im Frühling am gefühlten anderen Ende der Welt zu landen. Hannes, unser Reisebegleiter, hat keine Mühe, die Ankömmlinge in angemessenem Tempo zu den unterschiedlichsten Zielen in der sonntäglichen Metropole Santiago zu begleiten: zum Palacio Moneda, zum Historischen Nationalmuseum, zum Mercado Central in Pablo Nerudas Bellavista und zum Cerro San Cristobal, auf dem die Städter die ersten Frühlingssonnenstrahlen genießen.

Der folgende Montag ist Feiertag und bietet Gelegenheit zum ausgiebigen Besuch der Geschäftsstelle des Deutsch-Chilenischen Bundes. Diese private Kultureinrichtung mit ihren Funktionen und interkulturellen Angeboten kann von Don Christian Kroneberg und Schwester Ursula nicht gastfreundlicher präsentiert werden.

Die Grenzenlosigkeit der Wüste
Mit dem Flugzeug ist die Wüste von der Hauptstadt nicht weit. Doch schon im Anflug auf Calama ist die Größe bereits zu ahnen. Jenny, unsere Chilenin aus Kiel, begleitet die Gruppe in die Oase Chiu-Chiu mit ihrem zeitvergessenen Charme zu einem klima tischen wie kulinarischen Tapetenwechsel. Entlang des Río Loa geht es zur Inka-Festung Pucana de Lasana, die wie konserviert wirkt: Stein auf Stein. Das betörend warme Abendlicht bringt uns in die Oase San Pedro de Atacama, deren geschäftiges Treiben das authentische Leben der Wüstenbewohner so gar nicht wirklich widerspiegeln will. Und dennoch verströmt es eine abenteuerliche Magie.

Die Salzwüste Laguna de Chaxa beherbergt eine nicht vermutete Vielfalt von Leben. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, denn unsere Reise brachte uns weiter zur Mondlandschaft des Valle de la Luna. Trotz der Besucherschwärme fanden wir nach ein paar Schritten genau das, was die Wüste wunderbar macht: Stille und Grenzenlosigkeit. Wie um alles Erlebte noch tiefer in der Seele zu verhaften, lädt Jennys Familie uns zum Erzählen beim ‚asado‘, einem chilenischen Grillgelage, mit Pisco und Carne ein. Unter dem vollkommenen nächtlichen Sternengewölbe zockelt Alex‘ Kleinbus auf 4.200 Metern Höhe zu den Geysiren des El Tatio. Das heiße Wasser aus der frostkalten Erde dampfen zu sehen, ist magisch. Beim Frühstück im Morgengrauen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu spüren, das hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck.

 

Auf deutschen Spuren in Chile
Für uns geht es weiter in den grünen Süden. Auf halber Strecke machen wir Stopp in Valdivia, das sich mit einem unverwechselbaren Gesicht zeigt: Regen. D ie Heimat so mancher Austauschschüler öffnet sich uns schrittweise bei der Begegnung mit den Verantwortlichen des Instituto Alemán Carlos Anwandter. Beim Besuch des Samstagsmarktes macht die Fülle, Größe und Frische der Lebensmittel deutlich, dass Gott mit Chile wirklich ein Stück Paradies auf unserem Planeten geschaffen zu haben scheint.

Niebla, wo alle europäischen Seefahrer den Weg ins Landesinnere gefunden haben, lässt uns die Wildheit des Wetters nachempfinden. Frischer Fisch zum späten Mittagessen hilft, die Rauheit der conquistadores im Vergangenen zu versenken. Dann reißt der Himmel auf. Der gewohnte Regen verzieht sich und auf der Fahrt über Frutillar, eine beeindruckend stilvolle Siedlung deutscher Einwanderer am Rand des Lago Llanquihue, nach Puerto Varas spielt die Sonne mit Hilfe der Wolken Farbenspiele, die die Vulkanlandschaft mit dem mächtigen Osorno im Hintergrund fast kitschig schön erscheinen lassen.

Paradiesisch grüner Süden
Die Fahrt zur Insel Chiloé – an sich schon von landschaftlichem und historischem Reiz – wird zum beeindruckenden Schauspiel unter der Dramaturgie der Frühlingssonne. Auf der Festung Ancud wohnen wir dem Auftritt von Don Alejandro bei, der in deutscher Sprache Lieder singt und Angela Merkel grüßen lässt. In Puñihuil kehren wir bei Kathrin aus Nürnberg ein und genießen das traditionelle Curanto. Dort besteigen wir einen Zodiak, der mit uns behutsam um die vorgelagerten Inseln tuckert, auf denen Pinguine, Kormorane und Pelikane eine intakte Symbiose bilden. Die Zeit scheint trotz der Dichte der Erlebnisse stillzustehen. Ein Tag voll Sonne ist perfekt für die Fahrt zum Osorno, wo wir am Fuße der Eisregion nach Belieben durch den Lavasand wandern und das Andenland genießen können. Wir sehen unwirkliche Gebilde aus erkalteter Asche und wildem Bewuchs in einer Fülle, die kein Bild einzufangen vermag. Der Río Pedrohue, der aus den argentinischen Anden kommend am Fuß des mächtigen Osorno entlang rauscht, zieht uns in diesem herrlichen Licht in einen besonderen Bann. Über den Lago Todos los Santos gelangen wir auf das Anwesen von Don Alejandro, der uns frische Lachsforellen mit hiesigem Wein kredenzt.

Der letzte Frühlingsmorgen im Süden ist uns in Puerto Montt vergönnt, dem Tor nach Patagonien. Die morgendlich geschäftige Stadt und der noch nachtträge Markt Anselmó könnten interessanter und gegensätzlicher nicht sein. Auf dem Rückflug über
die schneebedeckten Anden nach Santiago stellten wir uns die Frage „Welchen Zauber werde ich wohl noch erleben?“. Wir tauchen am letzten Tag noch einmal in die Magie der pulsierenden Metropole ein und besteigen am Abend unseren Flieger nach Frankfurt. Um dieses phänomenale Erlebniskino mit einem „Happy End“ zu komplettieren, schwebt unser Dreamliner am abendsonnenbestrahlten Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas, vorbei und steigt hinauf in die Wolken.