Auf den Spuren der Auswanderer (2012)

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Unser Vorstandsmitglied Herr Hans-Joachim Reissner berichtet:

Zwischen 1824 bis nach dem zweiten Weltkrieg wanderten ca. 250.000 Deutsche nach Brasilien aus. Schwaben International pflegt schon seit Jahrzehnten intensiv den Kontakt zu den deutschstämmigen Auswanderern in ganz Lateinamerika, besonders aber zu Brasilien. .

Fünfzehn reiselustige Freunde von Schwaben International trafen sich deshalb am Samstag, den 03. November 2012 auf dem Frankfurter Flughafen, um sich auf die Spuren der deutschstämmigen Auswanderer zu begeben.

„Nach einem langen Flug nimmt uns unser ortsansässiger Reiseleiter in Rio de Janeiro in Empfang, um mit uns gleich auf den berühmten Zuckerhut zu fahren, damit wir einen ersten Rundblick über diese faszinierende Stadt bekommen. In einem sehr netten Hotel direkt an der weltberühmten Copacabana erholen wir uns zunächst von der doch strapaziösen Reise. Einige Mutige werfen sich sogar noch in die Wellen des Atlantiks. Am anderen Tag muss natürlich auch der Corcovado mittels der Zahnradbahn durch den brasilianischen Dschungel bestiegen werden. Zunächst versperren dichte Nebelbänke die Sicht, die dann aber immer wieder aufreißen und phantastische Ausblicke auf die Stadt, die Strände und die Berge ermöglichen. Unser sehr guter Reiseführer lotst uns dann zu Fuß durch die quirlige, menschenüberflutete Stadt zum berühmten Cafe Colonia, das überfüllt ist. Im Cafe Rosa, wo schon der letzte Kaiser von Brasilien verkehrte, trinken wir brasilianisches Cafe, quetschen uns in die überfüllte Metro und fahren zurück zum Hotel. Am Dienstag, nach einem ausgedehnten Frühstück auf der Sonnenterrasse des Hotels, geht’s mit dem Bus zum Flughafen zum Weiterflug nach Porto Alegre, wo uns der Präsident der Vereinigung der „Deutsch Brasilianischen Gesellschaften“ Herr Globig und ein leider nur schlecht deutsch sprechender Reiseleiter empfängt.

Der Tag steht ganz im Zeichen des Besuches der Pastor Dohms Schule in Porte Alegre. Die Schule ist Schwaben International durch den regen Schüleraustausch seit Jahren besonders verbunden. Da sich unter den Reiseteilnehmern auch Gasteltern befinden, gibt es manch herzliches Wiedersehen mit einigen Lehrerinnen. Diese Privatschule, die der evangelischern Kirche nahe steht, pflegt sehr intensiv die deutsche Sprache und Kultur, wovon wir uns in Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern einer unteren und einer oberen Klasse überzeugen konnten. Nachdem die Stadtrundfahrt und die Suche nach einem Lokal ziemlich chaotisch verliefen, hat der Reiseleiter auf Drängen der Reiseleitung von Schwaben International dann eine sehr gut sprechende ortsansässige Reiseleiterin engagiert, die uns dann die Sehenswürdigkeiten dieser charmanten Stadt zeigte. Am Abend treffen wir uns mit dem „ Deutschen Männerchor „ Coro Masculino 25. Juli de Porto Alegre“ in deren Clublokal zu einem zünftigen Churrasco. Das Bier fließt in Strömen, die Stimmung steigt, gemeinsam werden viele deutsche Volkslieder gesungen.

Unsere „Ersatzreiseleiterin„ begleitet uns dann am Freitag zum Einwanderermuseum in Sao Leopoldo. Es ist schon faszinierend, welche manchmal banalen Kleinigkeiten die Auswanderer auf ihre abenteuerliche Fahrt mitgenommen haben, um sich wenigstens noch eine winzige Erinnerung an die alte Heimat zu bewahren. Aber wir mussten auch erfahren, dass manche der ersten deutschen Aussiedler noch Sklaven gehalten haben. Wir erreichen dann Gramado, die deutsche „Touristen Stadt“, die sich im bombastischen weihnachtlichen Schmuck präsentiert. Es ist schon eigenartig bei 28 Grad im Schatten vor Weihnachtsbäumen mit künstlichem Schnee zu stehen.

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Nach einer Übernachtung in einem wunderschön gelegenen Hotel, an dessen Pool in lauer Luft der Abend verbracht wurde, erreichen wir nach endlos langer Fahrt durch abwechslungsreiche Landschaften endlich Blumenau, wiederum eine deutsche Stadt mit Fachwerkhäusern, deutschem Bier , Wurst und Sauerkraut. Der absolute „deutsche Höhepunkt „ ist aber dann der Besuch von Pomerode, das hauptsächlich von Pommern gegründet wurde. Unter dem „romantischen„ Stadttor werden Unmengen von Erinnerungsfotos geschossen.

Am anderen Tag bringt uns der Bus nach einem Zwischenstopp bei den bizarren Felsformationen von Vila Velha nach wieder endloser Fahrt und herrlichem Sonnenuntergang nach Entre Rios. Das Dorf zwischen den Flüssen wurde von rund 500 Familien von Donauschwaben ab dem Jahr 1951 gegründet und ist heute eine Mustersieldung mit genossenschaftlich betriebener Getreidemühle und einem neuem Museum. Beide Einrichtungen hinterlassen bei uns einen nachhaltigen Eindruck. Am Abend kehren wir bei der Familie Reichert und ihrem Lokal Donaubier mit eigener Hausbrauerei ein. Für den Verfasser war es sicher eines der beeindruckendsten Erlebnisse der Reise mit einem Zeitzeugen zu reden, der im Jahre 1951 hierher kam und die Entbehrungen, die harten Zeiten des Aufbaus erlebt und erlitten hat. Der 92 jährige Herr verabschiedet uns mit Tränen in den Augen.

Nun steht uns sicher der „Höhepunkt“ unserer Reise bevor. Wir fahren wieder sehr lange nach Iguacu. Gleich nach dem Einchecken im Hotel geht’s auf die brasilianische Seite dieses Naturwunders. Auf einer Breite von ca. 2,7 km stürzt das Wasser bis zu 82 Meter in die Tiefe. Am anderen Morgen machen wir uns schon sehr zeitig auf den Weg, um auf die argentinische Seite der Fälle zu kommen. Wir erreichen die erste Bahn und haben das Glück noch nicht vom Besucherstrom getrieben und gedrängt zu werden. Faszinierend schauen wir in den „Teufelsschlund“, in den sich die Wassermassen mit ohrenbetäubendem Getöse stürzen. Relativ feucht, aber glücklich erreichen wir wieder das Hotel, um aber gleich zum Flughafen aufzubrechen und nach Rio zu fliegen. Hier haben wir 6 Stunden Aufenthalt, die aber trotzdem eigentlich schnell vergehen. Die letzten Rials werden zusammengelegt und in Bier umgesetzt. In Frankfurt erwartet uns wieder Novemberwetter. Eine gelungene Reise geht zu Ende. Sie war nicht zuletzt deshalb so gelungen, weil sich alle Reiseteilnehmer von Anfang an so gut verstanden haben. Viele würden sich sicher freuen, sich bei einer anderen Reise wieder zu begegnen.“