„So ein Austausch macht selbstbewusster“

Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 13.08.2017 über den Aufenthalt von Luiza Casarin Gomes aus Porto Alegre bei Familie Rehm in Pflummer

Junge Brasilianerin verbrachte vier Wochen in einer Gastfamilie in Pflummern

Rund vier Wochen hat die Brasilianerin Luiza Casarin Gomes in einer Gastfamilie in Pflummern verbracht. Da sie schon von Geburt an in der brasilianischen Millionenstadt Porto Alegre wohnt, war es für die 14-jährige eine neue Erfahrung, in einem kleinen Dorf zu leben. In Brasilien besucht sie eine deutsche Schule, wo sie schon seit der ersten Klasse Deutsch lernt. Ihre Vorfahren lebten in Deutschland. Der Austausch wurde vom Stuttgarter Verein „Schwaben International“ organisiert.

Nach einem 15 Stunden langen Flug über Rio de Janeiro kam die junge Brasilianerin mit zehn weiteren Jugendlichen nach Deutschland. Begleitet wurde die Reisegruppe von zwei Lehrerinnen der deutschen Schule „Colegio Pastor Dohms“. Zunächst besuchten die Jugendlichen München, Salzburg und Stuttgart. Der anschließende vierwöchige Aufenthalt in einer Gastfamilie im kleinen Pflummern war für Luiza eine neue Erfahrung.

Wer denkt, dass man hier in der Region nicht viel erleben kann, der irrt. So stand neben einem Besuch des Freibades oder der Kneippoase in Riedlingen auch ein Tag am Affenberg in Salem auf dem Programm. Auf dem Dorffest in Pflummern war die 14-jährige ebenfalls. Bei diesen und anderen Ausflügen kann sich Luiza nicht entscheiden, was am besten war. Sie fand schlichtweg alle Ausflüge schön. Mit ihrer zwölfjährigen Gastschwester ging sie in die sechste Klasse der Geschwister-Scholl-Realschule in Riedlingen. Da sie in Brasilien in der neunten KIasse ist, war der Mathematikunterricht aus der sechsten Klasse für sie leicht zu verstehen. Zu Beginn habe sie nicht viel verstanden in der Schule, erzählt Luiza. Manche Lehrer waren erstaunt über ihre Deutschkenntnisse, mit einem unterhielt sich die Brasilianerin sogar in ihrer Landessprache. Luiza hat sich gut eingelebt, sodass sie anfing, Schwäbisch zu verstehen. So lernte sie, dass aus „Kätzchen“ zum Beispiel „Kätzle“ wird. Wie fühlt es sich eigentlich an, von der Stadt Porto Alegre mit fast eineinhalb Millionen Einwohner ins beschauliche Pflummern zu ziehen? „Cool“, meint Luiza. Bevor sie in den Riedlinger Teilort kam, informierte sich die Jugendliche im Internet über Pflummern. Besonders schätzt sie an Pflummern, dass man dort alleine unterwegs sein kann. „In Brasilien ist das nicht möglich“, sagt Luiza. Aufgrund der hohen Kriminalität müsse man immer aufpassen. Anstatt Bus zu fahren, wird die 14-jährige in Brasilien deshalb mit dem Auto zur Schule gebracht. Für Luiza hat das Leben in einer Großstadt aber auch Vorteile, wie die vielen Möglichkeiten, einkaufen oder essen zu gehen. Auf lange Sicht zieht die Brasilianerin die Großstadt vor: „Das Leben auf dem Land ist zwar interessant, aber ich bin die Großstadt gewöhnt.“

Schwäbische Küche schmeckt dem Gast

Kulinarisch verwöhnt wurde die Gastfamilie, als die Austauschschülerin ein brasilianisches Nationalgericht zubereitete. „Brigadeiro“ wird aus Kondensmilch, Butter und Kakaopulver hergestellt. Diese drei Zutaten werden in einem Topf vermischt und erwärmt. Es entsteht ein Nachtisch, der wie Nutella schmeckt – nur noch süßer, erläutert die Gastschwester. Traditionelle schwäbische Gerichte wie Kässpätzle oder Maultaschen probierte Luiza ebenfalls und fand sie „sehr gut“.

In Brasilien seien die Deutschen bekannt für ihre Pünktlichkeit, so Luiza. Das könne sie nun selbst bestätigen. Außerdem gebe es das Klischee, dass sich die Deutschen nur einmal in der Woche duschen würden. Dass dem nicht so ist, davon konnte sie sich in ihrer Gastfamilie überzeugen.

Vor ihrer Heimreise Ende Juli hatte die Brasilianerin gemischte Gefühle. Zum einen freute sie sich, wieder ihre Familie und ihre Katzen zu sehen. Zugleich ist sie auch traurig, ihre Gastfamilie verlassen zu müssen. „Am liebsten wäre es mir, wenn meine ganze Familie und Freunde nach Deutschland kommen würden, sodass wir alles zusammen anschauen könnten“, spaßte Luiza.

Luiza musste vor dem Austausch viele Prüfungen schreiben, denn nur wer gutes Deutsch beherrscht, darf mitreisen. Nach der vielen Arbeit sei der Austausch wie eine Belohnung für sie gewesen. Im Nachhinein fand sie es eine gute Idee, daran teilzunehmen und meint: „Man soll sich trauen.“ Vor der Reise hatte sie Bedenken vor dem Sprechen der deutschen Sprache. Durch den Austausch sei sie selbstbewusster geworden, was ihre Sprachkenntnisse betrifft, fasst Luiza zusammen.